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Der Trainingsweltmeister, dem im Match die nervliche Saite reißt

Der Spieler, der du im Training bist, hat wenig mit dem Spieler zu tun, der du im Match bist.

Im Training spielst du MIT einem dir bekannten Spieler. Im Match spielst du GEGEN einen dir (zumeist) unbekannten Gegner.

Ein grundlegender Fehler liegt, wie übrigens so oft im Leben, beim Vergleichen. Du vergleichst deine Trainingsleistung mit deiner Matchleistung. Das ist ganz schön unfair von dir. Fairer wäre es, wenn du deine Trainingsleistungen miteinander vergleichst und deine Matchleistungen.

Zu meiner Jugendzeit war ich ein katastrophaler Spieler im Training.

Die „11er“-Spiele und Trainingssätze verlor ich reihenweise. Und reihenweise gegen Spieler, die ich im Turnier schlug. Im Training probiert man mehr aus. Wenn der Ballwechsel länger als drei Schläge geht siegt im Training oft der Spielwitz. Dann wird eine Vorhand kurz-cross gespielt, die man im Match niemals spielen würde. Oder ein Stoppball, der sich möglichst wieder zurück auf die eigene Seite rotieren soll – sonst wäre es ja kein Stopp 😉

Die Gedankenstruktur ist im Training eine vollkommen andere als im Match. Im Training siegt der Clown. Im Match die Unsicherheit.

Stell dir vor ich würde einen Vortrag über „Emotionale Intelligenz“ einzig vor dir halten. Zwei Tage später halte ich denselben Vortrag vor 50 Menschen auf einer kleinen Bühne.

Wäre es fair von mir, wenn ich meine beiden Leistungen bei diesem Vortrag miteinander vergleiche?

Oh nein, das wäre es nicht. Denn die Umstände sind, obwohl es derselbe Vortrag ist, vollkommen unterschiedlich. Diese Umstände lassen eine gemeinsame Beurteilung nicht zu. Vor 50 Leuten rutscht mir vor dem ersten Wort das Herz in die Kniekehle. Mein Puls rast. Ab und an piept es auch ein bisschen auf dem rechten Ohr. Da hat der Clown, der vor einer Person noch wild und lebendig Lambada tanzt schlicht keine Lust überhaupt aus seinem Zelt zu kommen.

Ähnlich verhält es sich mit Match und Training.

Als Spieler bist du dir gar nicht so recht bewusst, wie verschieden die Umstände wirklich sind. Natürlich spielst du auf dir unbekannten Tennisanlagen. Aber neben der Location gibt es noch unzählige, oft höchst individuelle Unterschiede zu deinen Trainingsspielen, die du immer unter dir bekannten Umständen spielst.

Hier mal eine kleine Liste an Einflüssen, die vehement in dein Spiel eingreifen:

  • Leistungsdruck
  • nette Zuschauer, die dich aber anstarren
  • nervige Zuschauer, die in unpassenden Situationen klatschen
  • unbekannter Gegner
  • dein Ego
  • deine Unsicherheit
  • unbekannte Anlage (Auswärtsspiel, Turnier)

Vieles ist anders als in deinen Trainingsspielen. Aber dennoch erwartest du von dir, dass du im Match, auf der großen Bühne sozusagen, die Leistung abrufst, die du im Training zeigst.

Der Begriff „Trainingsweltmeister“ wird oft negativ interpretiert. Allerdings ist er dies überhaupt nicht, da der Weltmeister im Training nicht so viel mit dem Spieler im Match zu tun hat. Daher ist ein Trainingsweltmeister ein hervorragender Tennisspieler, der sich nur noch nicht darüber bewusst ist, dass ein Match eben kein Training ist.

Allein diese mentale Blockade kann, wenn sie einmal gelöst wurde, die Leistung in Turnierspielen drastisch verändern. Du hörst auf Training und Match miteinander zu vergleichen. Dies ist der erste wichtige Schritt, um überhaupt einen klaren Blick auf seinen Tennischarakter zu erhaschen.

Der klare Blick beantwortet die folgenden Fragen:

  • Was treibst du eigentlich so im Match?
  • Weißt du nach einem Match, wie dein Gegner die meisten Punkte gemacht hat?
  • Ob du zu viele leichte Fehler gemacht hast?
  • Was die größte Stärke deines Gegners war?
  • Oder die größte Schwäche?

Viele Spieler, die ihre Trainings- und Matchleistungen miteinander vergleichen, sind zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Klar, das Ego sitzt einem auf dem Court im Nacken und beißt sich fest. Aber es gehört zu deinen Aufgaben dieses Ego abzuschütteln und diesen klaren Blick zu gewinnen.

Wie du deine Trainingsspiele effektiv nutzen kannst, um deine taktischen Fähigkeiten zu verbessern und anschließend klug im Match umzusetzen, lernst du in meinem e-Mail-Newsletter. Diese versorgt dich zwei- bis dreimal die Woche mit mentalen und strategischen Tipps.

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Autor

Marco ist Mentaltrainer und interessiert an allem, was zwischen den Ballwechseln in deinem Kopf abläuft. Wenn er mal nicht schreibt, dann analysiert er auf YouTube alte Matches von Stefan Edberg.

1 Kommentar Neues Kommentar hinzufügen

  1. Christian-Alexander Schmidt sagt:

    Guter Beitrag mit dem Vergleich Training zu Match und auch das man sich mehr auf den Gegner konzentriert als auf sich selbst. Werde ich mal versuchen umzusetzen!

    Sportlichen Gruß Christian

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