Was du tun musst, wenn du aus deinem ersten Aufschlag eine echte Waffe entwickeln willst

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Wut.

Hektik.

Erhöhter Pulsschlag, aufgrund aufkommender Aggression.

Alles Symptome, hervorgerufen durch eine katastrophale Quote bei deinem ersten Aufschlag. Du stehst in deinen Matches an der Grundlinie, machst dich zum ersten Aufschlag bereit und bist bereits bis unter den Schlägerkopf gereizt.

Gereizt, weil kein erster Aufschlag kommt.

Der erste Aufschlag ist für dich in diesem Match zu einer Lotterie geworden. Null Konzentration auf den eigentlichen Aufschlag. Null Visualisierung, wie deine Bewegung aussehen sollte. Null Konzentration auf ein Ziel, welches du im Normalfall vor jedem ersten Aufschlag anvisieren und setzen solltest.

Jetzt haben wir den Mörder, der deinen Aufschlag tötet, enttarnt und überführt. Dingfest gemacht, dem Richter vorgestellt und hinter Gitter gebracht.

Jetzt ist es Zeit, den Turbo zu zünden. Was ist wichtig für deinen ersten Aufschlag? Worauf musst du bei den technischen Aspekten achten? Wie servierst du effektiver und mit mehr Geschwindigkeit?

#1 Schalte deinen Kopf ein. Wirklich.

Gewöhne dir ab jetzt ab, planlos und ohne nachzudenken aufzuschlagen. Stattdessen gewöhnst du dir an, vor jedem ersten Aufschlag ein Ziel in deinem Kopf zu benennen und dir dieses vorzustellen.

Visualisiere.

Suche dir Punkte, wo du deinen ersten Aufschlag hinspielen willst. Und wie du ihn spielen willst.

In der Grafik habe ich dir drei Punkte eingezeichnet. Diese Punkte wurden einem Ferncoaching-Mitglied mit an die Hand gegeben. Der Spieler konnte so seine Denkweise vor dem ersten Aufschlag verbessern – indem er schlicht die Punkte durchgegangen ist:

Sport field plan on whiteboard.

Du siehst drei Punkte.

Jeder dieser Punkte kann ein Ziel für deinen ersten Aufschlag sein – mitsamt einer dazu passenden Variation. Das rot eingefärbte Ziel kann ein Aufschlag mit viel Slice nach außen sein. Der blaue Punkt kann ein Service mit viel Tempo auf Mann, aber auch ein überraschender Kick-Aufschlag auf den Körper deines Gegners sein.

Dein Gegner rechnet vermutlich oft mit einem knallharten ersten Aufschlag – da ist ein Kick doch mal eine Idee 😉

Das grüne Ziel kannst du für verschiedenste Optionen verwenden. Ein Aufschlag mit Tempo bietet sich an. Wenn du das Ziel ein wenig Richtung Mitte verlegst, kann auch ein Slice-Aufschlag welcher sich auf den Körper deines Gegners dreht eine hervorragende Option sein.

Die Mischung macht deinen ersten Aufschlag gefährlich. Nicht das Tempo.

Überlege dir also vor jedem ersten Aufschlag, was du mit diesem überhaupt machen willst. Entscheide zwischen den Optionen, die dir am ehesten liegen. Du bist nicht der härteste Aufschläger? Dann verunsichere deinen Gegner mit einem Slice.Aufschlag.

Du spielst nicht den besten Kick? Versuche mehr Tempo in den Aufschlag zu bekommen.

Wie das mit dem Tempo geht, schauen wir uns jetzt mal genauer an.

#2 Werde zu einem Bogen

Egal wie technisch sauber deine Bewegung beim Aufschlag ist. Der wichtigste Moment beginnt, wenn sich dein Schläger in deinem Rücken befindet.

Ergo: Lege erhöhten Fokus auf deine Zuschlagbewegung beim Aufschlag.

Wichtig ist dabei die Bogenspannung. Dies bedeutet, dass du dein Gewicht auf den hinteren Fuß verlagerst bevor du den Ball schlägst, deine linke Hand nach oben zeigt und du eine gute Körperspannung besitzt.

Stelle dir das Ganze wie bei einem Bogen vor. Bevor der Pfeil mit unglaublicher Geschwindigkeit abgeschossen werden kann, muss der Bogen gespannt werden.

Der Abschuss des Pfeiles ist dein Aufschlag.

Das Verlagern des Gewichtes und der nach oben zeigende linke Arm mitsamt Körperspannung und in die Knie gehen, dies ist das Spannen des Bogens vor dem Abschuss.

Damit die Explosion bei deinem Aufschlag noch größer wird, musst du deine Knie einsetzen. Geh in die Knie, um dem Ball nach deinem Ballwurf möglichst weit entgegen „springen“ zu können. Du musst dabei keine Yoga ähnlichen Verrenkungen machen. Ein leichter Einsatz deiner Knie reicht aus, um mehr Power in deinen Aufschlag zu bekommen.

#3 Schüttel deinen Arm

Der Mensch, du und ich, wir alle bestehen aus Ritualen und Gewohnheiten.

Frag mal Rafael Nadal 😉

Die meiste Power bei deinem ersten Aufschlag verschwindet, weil du zu verkrampft bist. Du haust verkrampft, vielleicht gar wütend, auf den Ball einfach drauf.

Wie ein kanadischer Holzfäller, an einem Sonntag, seine Axt in den Baumstumpf zimmert.

Schüttel deinen Arm, bevor du servierst. Mach dich locker. Entspann dich. Atme tief ein und aus. Lockerheit bringt dir Power und Geschwindigkeit in deinen Aufschlag, nicht deine reine Muskelkraft.

Und schon gar nicht dein Bizeps.

Schwung, entstanden aus der weiter oben erklärten Bogenspannung, ist es was deinen Aufschlag zu einem Monster für deinen Gegner werden lässt.

Das Ausschütteln des Armes sollte zu deinem Ritual werden, weil du auf diese Weise einen Moment der Ruhe und Entspannung findest, bevor du aufschlägst. Es erinnert dein Hirn daran, dass pure Kraft niemals zu einem grandiosen Aufschlag führt.

Im Gegenteil. Pure Kraft blockiert deinen Schwung.

Es ist so, als würdest du mit angezogener Handbremse mit deinem Toyota losfahren.

#4 Sei für deinen Gegner ein nicht zu ertragender Horrorfilm

Das kleine Mädchen geht in den dunklen Keller. Als Zuschauer weiß man, dass in diesem das Unheil auf das Mädchen wartet. Die Lichtschalter lassen sich nicht betätigen. Wasser tropft von der Decke, man hört vereinzelt ein knarren und knartschen der verrosteten Türen. Man weiß, dass jeden Moment das Unheil über das Mädchen hereinbrechen wird.

Man weiß nur nicht, von welcher Seite und wie.

Dein Gegner ist der Zuschauer des Horrorfilmes. Du bist das Unheil, was über ihn hereinbrechen wird. In Form deines Aufschlages.

Dein Gegner darf nie wissen, wie das Unheil über ihn kommen wird. Er darf sich nie sicher sein, was bei deinem nächsten Aufschlag passieren wird. In diesem Artikel haben wir bereits darüber gesprochen, wie wichtig die Variation bei deinem Aufschlag ist.

Nun gilt es, diese verschiedenen Variationen clever und smart einzusetzen.

Richtig Spannung kommt erst auf, wenn es an die Königspunkte, die „Big Points“ geht. Dann zählt es. Ein guter erster Aufschlag bei 1:1 und 15:15 ist schön. Ein hervorragender erster Aufschlag bei 5:4 und 30:30 ist schöner 😉

Lass uns gemeinsam drei Matchsituationen analysieren, in denen du bei wichtigen Punkten servierst.

Fallstudie: 5:4 im ersten Satz, 30:15 (aus deiner Sicht)

Je nachdem, welcher Spielertyp du bist, kannst du hier bei deinem ersten Aufschlag mit Risiko agieren, oder ein wenig Dampf rausnehmen.

Für beide Varianten gibt es Optionen beim ersten Aufschlag. Lass uns einen Blick auf das Whiteboard wagen:

Sport field plan on whiteboard.

Variante Nummero eins, der Aufschlag mit viel Slice durch die Mitte, ist weniger riskant als Variante Nummero zwei. Beim Spielstand von 5:4 und 30:15 geht es für dich um zwei mögliche Satzbälle – für deinen Gegner um die kleine Chance, nochmals in den Satz zurückzukommen.

Der Aufschlag mit Slice nach außen, durch die Mitte gespielt, wird von deinem Gegner vielleicht nicht unbedingt erwartet. Du hättest den Überraschungsmoment auf deiner Seite und könntest mit dem Return deines Gegners vermutlich direkt auf einen Winner gehen.

Der glatte Aufschlag, mit richtig Feuer nach außen, ist für deinen Gegner wohl zu erahnen. Er wird einfach sehr häufig gespielt. Diese Variante ist ein wenig wie Russisch Roulette. Kommt der Aufschlag sieht es gut für dich aus. Kommt er nicht, musst du auf deinen zweiten Aufschlag zurückgreifen – was deinem Gegner in die Karten spielen wird.

Lösung

Taktisch klug ist in dieser Matchsituation ein erster Aufschlag mit viel Slice durch die Mitte. Du kannst durch das geringere Tempo weniger Risiko gehen. Du kannst deinen Gegner überraschen und du minimierst das Risiko über den zweiten Aufschlag gehen zu müssen.

Fallstudie: 3:6 und 1:3, 0:30 (aus deiner Sicht)

Du stehst mit dem Rücken zur Wand. Das Spiel läuft gegen dich. Du hast den einzigen Schlag, den du beim Tennis alleine ausführst, allerdings auf deiner Seite: deinen ersten Aufschlag.

Zeit, die Sicherheit abzustreifen. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Ein guter Ball, ein spektakulärer Winner. Und ein Tennismatch kann sich drehen. In dieser Matchsituation ist es nun an der Zeit, diesen Winner herauszufordern.

Schmeißen wir beide Augen auf das Whiteboard:

Sport field plan on whiteboard.

Simpel, oder? 😉 Die rote Linie im Whiteboard zeigt dir den Aufschlag direkt auf Mann. Die grüne Linie steht für den geraden, harten Aufschlag in die Rückhand deines Gegners (sofern er Rechtshänder ist).

Wenn ein Hund in die Ecke gedrängt wird, so wird er aggressiv und versucht sich mit allem was er hat daraus zu befreien. Bei 3:6, 1:3 und 0:30 bist der Hund, der aus der Ecke will. Du musst in dieser Situation Risiko gehen. Du musst den Punkt erzwingen, um dich im Match zu halten – und vielleicht sogar nochmal zurückzukommen.

Fallstudie: 6:4, 5:3, 30:15 (aus deiner Sicht)

Du bist fast am Ziel. Aber es ist eng. Dein Gegner hat das Match noch nicht abgeschrieben. Dein Aufschlagspiel ist umkämpft.

Du nimmst den Schlüssel zu deiner Trickkiste aus deiner Tasche, schließt sie auf, wühlst tief in der hintersten Ecke und kramst folgendes heraus:

Sport field plan on whiteboard.

Weil du ein smarter Tennisspieler bist, der seinen Kopf und seinen Intellekt jederzeit auf dem Platz nutzt, servierst du nun einen ersten Aufschlag, den dein Gegner so nicht erwartet.

Du hast die Möglichkeit auf zwei Matchbälle. Schnell drauf und durch könnte nun dein Motto lauten. Doch eine Überraschung für deinen Gegner, in Form eines cleveren Aufschlags, ist hier der Schlüssel zum Sieg.

Die Variante eins, der Aufschlag mit Kick nach außen, darf hier mit mehr Risiko gespielt werden als wenn du einen zweiten Aufschlag spielst. Das ist das Schöne an dieser Option 😉

Schlag den Ball hart, aber spiele ihn mit viel Vorwärtsdrall (Kick). Dein Gegner wird nicht nur überrascht sein. Er wird auch vor eine Aufgabe gestellt: er muss diesen Aufschlag mit einem guten Return zurückspielen. Dies ist alles andere als leicht.

Die zweite Variante aus dem Whiteboard, der Aufschlag mit viel Slice in die Mitte, zwingt deinen Gegner dazu sich zu bewegen.

Was ist daran clever?

Beim Return verschiebt sich der Spieler zumeist nach vorn oder hinten. Diese Bewegungen sind tief im Unterbewusstsein verankert. Man führt sie automatisch aus.

Doch die seitlichen Bewegungen nach links und rechts, diese sind für den Returnspieler eher selten. Ein, zwei Side-Steps zur Seite können den kompletten Rhythmus beim Return zerstören.

Klingt doch nach einer durchschlagskräftigen Variante für deinen ersten Aufschlag, oder nicht? 😉

Fazit

Dein erster Aufschlag kann zu einer echten Waffe werden, wenn du die in diesem Artikel beschriebenen Punkte in dein Spiel integrierst. Erstelle dir einen Baukasten. In diesen Baukasten packst du verschiedenste Variationen deines ersten Aufschlags für unterschiedliche Spielsituationen.

Du kannst diesen Baukasten stetig erweitern. Inhalte austauschen. Inhalte erweitern.

Mein Tipp zum Schluss dieses Artikels: trainiere deinen Baukasten im Training. Simuliere mit deinem Trainingspartner Spielstände und wende deinen Baukasten an. So erhältst du eine Routine für deine Matches. So gewöhnst du dich an deinen Baukasten.

Denn du weißt ja, wir Menschen bestehen aus Gewohnheiten 😉

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Marco Kühn ist Gründer von tennis-insider.de und inspiriert Tennisspieler ihr Tennis zu verbessern. Bleib mit uns in Kontakt und lade dir hier den kostenlosen Ratgeber von tennis-insider.de herunter.
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