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Was du von Roger Federer und den besten Torhütern des Fußballs über das Winkelspiel lernen kannst

Den Winkel für den Gegner verkleinern.

Klug nach vorne laufen.

Reaktionsschnell sein. Gute Antizipation. Spielintelligenz. Sehen, was als nächstes passieren wird.

Roger Federer und die besten Torhüter im Fußball verbinden ähnliche Eigenschaften. Begeistert schaute ich vor einiger Zeit das Halbfinal-Match in Shanghai von Roger gegen einen der besten Konterspieler aller Zeiten, Novak Djokovic.

Und es war verblüffend zu sehen, mit welcher Konstanz Federer am Netz punktete.

Immer und immer wieder.

Novak Djokovic versuchte es teils sogar mit der Brechstange: dem knallharten Schlag direkt auf den Körper von Federer.

Djokovic verlor 4:6 und 4:6.

Roger Federer hat sich auch im Herbst seiner Karriere merklich verbessert. Er hat es geschafft, sein Spiel auf ein neues Level zu heben.

Und zwar am Netz.

Wo er in der Vergangenheit noch überhastet und ein wenig planlos ans Netz lief, hat er genau dies enorm verbessert. Seine Laufwege ans Netz sind nun wesentlich smarter.

Sein Verhalten am Netz, dass Abdecken der möglichen Freiräume für den Gegner klappt hervorragend. So hervorragend, dass er es selbst gegen einen Novak Djokovic nicht scheute permanent ans Netz zu gehen. Dies zeigte klar und deutlich, dass Roger Federer in seinem Netzspiel Sicherheit dazu gewonnen hat.

Warum passiert Djokovic ihn nicht?

Durch diese ultra-aggressive Spielweise gibt Federer seinem Gegner kaum Luft zum atmen.

Er zwingt seinen Gegner geradezu herausragende Schläge zu spielen. Immer und immer wieder. Dazu steht Federer, wenn er für seine Verhältnisse mal weit nach hinten gedrängt wird, vielleicht 10 cm hinter der Grundlinie 🙂

Es gibt nur einen Weg in seinem Spiel: den Weg nach vorne.

Novak Djokovic ist für sein Konterspiel (auch gern „Counterpuncher“ genannt) und seine herausragende Defensive bekannt. Und natürlich: Ihm gelingen einige tolle Passierschläge. Aber Roger Federer lässt sich mittlerweile nicht mehr von solchen entmutigen. Sondern sucht weiter den Weg ans Netz. Gerade das Match in Shanghai zwischen Federer und Djokovic zeigte:

Roger versucht so nah es nur möglich ist ans Netz zu kommen!

Teilweise kam er so nah ans Netz, dass er aufpassen musste dieses nicht zu berühren. Auf diese Weise bekam Novak Djokovic kaum Möglichkeiten einen Winkel zu spielen.

Hier verhält es sich ähnlich, wie wenn ein Torhüter auf den heraneilenden Stürmer zuläuft: mit jedem Schritt nimmt er ihm mehr von seinem Winkel, das Tor zu treffen.

In unserem Falle bedeutet es: je weiter Federer ans Netz laufen kann, desto schwieriger wird es für Djokovic zu passieren. Das Ergebnis dieser Taktik hat man wunderbar an den folgenden „taktischen Reaktionen“ von Djokovic sehen können.

Er hielt einfach voll auf Mann drauf. Was sogar einige Male zum Erfolg führte.

Der Angriff mit Slice durch die Mitte

Wie erfolgreich das Simple manchmal sein kann.

Einige Male griff Federer aus dem Ballwechsel heraus mit einem Slice durch die Mitte an.

Auch hier bekam Djokovic keinen direkten Winkel für einen eventuellen Passierschlag. Es ist für den Serben auf diese Weise wesentlich schwieriger zu passieren, als wenn Federer mit einem Vorhandcrossball angreifen würde. Diese Variation ist gegen einen solch starken Grundlinienspieler wie Djokovic nicht allzu häufig möglich.

Was kannst du von Roger lernen?

Kaum jemand sucht noch den Weg ans Netz.

Du kannst dein Tennis variabler und gefährlicher gestalten, wenn du diese Bürde annimmst und dich traust häufiger deinen eigenen Schlägen nach vorn ans Netz zu folgen.

Auch wenn du kein Volleygott bist, bringt dir dies Vorteile:

  • dein Spiel ist nicht mehr so berechenbar
  • du bist flexibler
  • du setzt deinen Gegner mehr unter Druck
  • dein Gegner wird gezwungen einen grandiosen Ball zu spielen

Das Ziel deiner Netzangriffe muss es nicht sein den Punkt mit einem Volley a la Patrick Rafter abzuschließen. Viel mehr soll dein Gegner ein unangenehmes Gefühl auf dem Platz bekommen.

So, als würde er in einem viel zu kleinen Kinosessel sitzen.

Es muss deinen Gegner zwicken auf dem Platz, er muss sich unwohl fühlen.

Beachte, wie Roger Federer, dabei die Winkel. Schließe die verfügbaren Winkel für deinen Gegner so gut du kannst. Versuche so weit es möglich ist ans Netz vorzurücken.

Sprinte nicht ans Netz, aber schleiche auch nicht.

Halte den Schläger oben, vergiss nicht den Split-Step, den Bereitschaftssprung.

Folge deinem Angriffsball radikal. Weiche nicht von deiner Route ab, sondern gehe strikt deinem Ball nach. Die Kombination aus einem schnellen vorrücken und dem Folgen deines Angriffsballes schmälert den Winkel für deinen Gegner.

Was Roger Federer kann, kannst du dir zumindest abschauen 😉

Autor

Marco ist Mentaltrainer und interessiert an allem, was zwischen den Ballwechseln in deinem Kopf abläuft. Wenn er mal nicht schreibt, dann analysiert er auf YouTube alte Matches von Stefan Edberg.

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