Blog Mentalität

Der mental schwache Spieler und seine geschickten Fähigkeiten gegen sich selbst zu verlieren

Der mental schwache Spieler will stets alles mit Logik lösen.

Er trainiert zwei Wochen lang täglich seinen Aufschlag, um beim nächsten Turnier wie Milos Raonic zu servieren. Im ersten Match kommt in den ersten zwei eigenen Aufschlagspielen dann allerdings nur ein erster Aufschlag.

Sein logisches Denken, was ihm sagt, dass der Aufschlag kommen muss, weil er diesen ja so hart trainiert hat, macht es ihm unmöglich ruhig auf dem Platz zu bleiben und nach Lösungen zu suchen.

Die Selbstgespräche des mental schwachen Spielers stürzen sich in diesen Matchsituationen ohne Ausnahme auf die Logik, was ein Zeichen mangelnder mentaler Stärke und vor allem Flexibilität ist. Dabei ist es niemals verkehrt auch mal eine andere Sicht auf die Dinge zu gewinnen.

In diesen Momenten siegen die Emotionen über seine Logik.

Die Emotionen beginnen langsam, schleichend und zerstörend gegen den Spieler zu arbeiten. Der Mechanismus des Sumpfes tritt ein – der Spieler wird immer tiefer in seine für ihn logischen Erklärungen gezogen.

So weit, bis er irgendwann keine Chance mehr hat aus diesem Sumpf herauszukommen.

Das Ergebnis dieses Mechanismus zeigt sich dann auf der Anzeigetafel.

Die Basis der mentalen Schwäche ist immer das Denken zwischen den Ballwechseln und beim Seitenwechsel, welches aus Selbstgesprächen und negativen Vorstellungen in Form von schwachen Bildern besteht. Es ist unmöglich, in diesen Phasen des Matches nicht zu denken.

Der mental schwache Spieler nutzt diese Phasen, um durchweg negativ zu denken, zumeist in enger Verbundenheit mit der nur selten für einen arbeitenden Logik.

Verantwortung

Der mental schwache Spieler hat große Probleme damit Verantwortung in kritischen Spielituationen zu übernehmen.

Der mental schwache Spieler fürchtet sich mehr vor dieser Verantwortung, als das er diese als Herausforderung und Probe ansieht.

Der mental schwache Spieler empfindet kritische Spielsituationen als Bestrafung.

Seine Angst vor der Verantwortung überträgt sich direkt auf seinen Körper und damit auf seine Bewegungen bei seinen Schlägen. Der Aufschlag wird zu einer Zitterpartie. Die Grundschläge lassen den Schlagarm schwer werden. Die eigentlich runden Ausholbewegungen werden zu einer hölzernen Bewegung.

Das Potenzial des Spielers wird in eine Kiste gesteckt, in den Keller geschleppt und verschlossen.

Emotionen

Die Emotionen kontrollieren den mental schwachen Spieler. Nicht der mental schwache Spieler seie Emotionen.

Für den mental schwachen Spieler ist es unmöglich einen Matchplan durchzuziehen, entscheidende Punkte konzentriert zu spielen oder auf eine Negativspirale angemessen zu reagieren.

In allen genannten Situationen wird immer die just in diesem Moment gegenwärtige Emotion das Handeln des Spielers bestimmen.

Der mental schwache Spieler ist immer mehr mit sich, seinen Gedanken und seiner Angst vor der Verantwortung beschäftigt, als mit dem Gegner.

Spielverständnis

Der mental schwache Spieler besitzt nur ein begrenztes Spielverständnis.

Dies liegt nicht an seinen spielerischen Fähigkeiten. Diese können von hoher Qualität sein, technisch wie taktisch.

Dennoch bringen dem mental schwachen Spieler seine spielerischen und taktischen Qualitäten nicht die gewünschten Ergebnisse, da er sich so gut wie nie mit dem Feind außerhalb seines egenen Kopfes, dem Gegner auf der anderen Seite des Netzes, auseinandersetzen kann.

Seine Angst vor der Verantwortung, seine Emotionen und die damit verbundenen andauernden, negativen Selbstgespräche nehmen ihn so sehr ein, dass er nach einem Match nicht weiß, welche Stärke seines Gegners das Spiel entschieden hat.

Der mental schwache Spieler setzt immer sich selbst in das Zentrum seines Denkens, so dass ein Tunnelblick auf das eigentliche Geschehen auf dem Platz entsteht.

Sein Gegner könnte vier Spiele in Folge ausschließlich mit seiner starken Vorhand punkten – dem mental schwachen Spieler würde dies nicht auffallen.

Stattdessen würde er bei sich selbst nach der Ursache suchen. Er würde sich darüber beschweren, dass seine Schläge zu kurz sind.

Das aber nicht nur die Länge seiner Schläge, sondern vor allem die Platzierung die Ursache für seine verzwickte Situation im Match ist, würde er nicht bemerken.

Du brauchst nicht nur für enge und entscheidende Spielsituationen deine mentale Stärke. Deine mentale Stärke zeichnet deinen gesamten Charakter auf dem Platz und beeinflusst deine unterbewussten Entscheidungen. Da du im Match instinktiv und eben unterbewusst handelst, ist mentale Stärke für dich von höchster Priorität.

Der mental schwache Spieler ignoriert all die in diesem Artikel aufgeführten Punkte vehement.

Diese Ignoranz gegenüber seinen Fehlern ist der Knackpunkt seiner mentalen Schwäche.

Autor

Marco ist Mentaltrainer und interessiert an allem, was zwischen den Ballwechseln in deinem Kopf abläuft. Wenn er mal nicht schreibt, dann analysiert er auf YouTube alte Matches von Stefan Edberg.

2 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.